25 Jahre Schweizerisches Literaturarchiv

Roman Bucheli schreibt in der NZZ vom 8.1.2016 unter dem Titel „Im kalten Himmelreich der Kartonschachteln“ über die Hintergründe, die zur Gründung des Schweizerischen Literaturarchivs (SLA) vor 25 Jahren geführt haben:

„(…) Anfang Dezember 1988, knapp eineinhalb Jahre nach der Verschwörung der drei, kam es in Bern zum entscheidenden Treffen: Dürrenmatt sollte nun Bundesrat Flavio Cotti bei einem Mittagessen seine verbindliche Zusage machen. Peter von Matt hat von dem Essen einen etwas burlesken Bericht gegeben. Er erinnert sich an einen Dürrenmatt, der von der Vorspeise über den Hauptgang bis zum Dessert und Kaffee seine neusten Gedanken preisgab, das Weltall im Allgemeinen und das bevorstehende Ende der Welt im Besonderen betreffend. Von einem Nachlass oder einem zu gründenden Archiv indessen war die ganze Zeit keine Rede. Bundesrat Cotti sagte derweil kaum ein Wort. Einmal wurde er von einem Weibel ans Telefon gerufen, bleich kam er danach an den Tisch zurück. Der könne noch zuhören, soll Dürrenmatt hinterher anerkennend zu Peter Nobel gesagt haben. Die Einwilligung in den Deal hatte er gegeben, als Cotti dann doch beim Kaffee etwas entnervt nachgefragt hatte. Erst später erfuhren sie, warum Cotti die ganze Zeit so schweigsam war: Während sie assen und Dürrenmatt bei seinem Gang durch den Kosmos vom Hölzchen aufs Stöckchen kam, spielte sich hinter den Kulissen ein politisches Drama ab. Bundesrätin Elisabeth Kopp informierte den Gesamtbundesrat über das umstrittene Telefongespräch mit ihrem Mann im Zuge der Shakarchi-Affäre, was drei Tage später zu ihrem Rücktritt aus der Landesregierung führte. Das Literaturarchiv also sei, so folgerte Peter Nobel scharfsinnig, im Grunde Bundesrätin Elisabeth Kopp zu verdanken.“

Update vom 26.3.2016: Das Vermächtnis Dürrenmatts

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