Bibliotheken sind das Gedächtnis der Literatur

Tijan Sila macht sich unter dem Titel «Von Ausweis zu Ausweis» Gedanken darüber, ob es Sinn macht, Bücher zu besitzen:

«Während ich Bücher auslieh, weil ich sie mir nicht kaufen konnte, kam es mir oft so vor, als seien die anderen Nutzer:innen mehrheitlich eher Menschen, die zwar gerne lasen, es jedoch nicht einsahen, für Bücher Geld auszugeben. Grundsätzlich finde ich diese Haltung nachvollziehbar, denn eigentlich macht es wenig Sinn, Bücher zu kaufen: Sie sind ziemlich teuer (was einhergehend mit dem Rückgang von Taschenbuchausgaben dafür sorgt, dass immer weniger der neu erscheinenden Bücher als Schullektüre in Frage kommen – doch das ist ein anderes Thema), die meisten wird man aber nur einmal lesen. Was nutzlos rumliegt, sollte zumindest wertvoll sein, doch Bücher verlieren trotz ihres hohen Einstiegspreises so schnell an Wert, dass selbst alte Streichholzschachteln bessere Sammlerobjekte abgeben. Wer mir nicht glaubt, braucht sich nur einmal bei Ebay umzuschauen, wo signierte Hardcover bekannter Autoren für neun Euro inklusive Versand angeboten werden und über Monate keine Abnehmer finden. Verglichen mit einem alten Gitarrenverstärker oder einem Marken-Rennrad sind alte Bücher bloß Papierabfall: Weimarer Goldschnitt-Ausgaben obskurer Dostojewski-Übersetzungen bekommt man hinterhergeworfen, denn wer liest noch gerne Fraktur? Nein, Bücher sind nichts wert. (…)

Doch wieso sollte ein Mensch, der Literatur liebt, ohne für sich eine Rolle daraus herleiten zu wollen, Bücher kaufen? Solange es Bibliotheken gibt, fällt mir kein guter Grund ein. Bibliotheken sind mehr als ein Ort, sie sind der Ort, für den Bücher eigentlich bestimmt sind. (…)

Ja – Bibliotheken sind der Ort, dank dem Schriftsteller:innen immer wieder in fremde Herzen finden. Oder, um meinen Vater zu zitieren, der sie noch leidenschaftlicher liebte als ich: Bibliotheken sind das Gedächtnis der Literatur.»

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