Lexikon als Erfolgsprinzip

Im TAZ-Artikel „Schlag nach! Zur Situation des Lexikons“ wird trotz Wikipedia das gedruckte Lexikon als Erfolgsprinzip beschrieben:

„Als der Stern Wikipedia und Brockhaus gegeneinander antreten ließ, gewann die Internetenzyklopädie in fast allen Disziplinen. Doch was das analoge Nachschlagewerk bieten konnte, waren seine verständlichen Einträge. Die Autoren waren geübt, wissenschaftliche Erkenntnisse lesbar zu machen. Sie beherrschten die Kunst, wegzulassen. Und auch im Mangel an Aktualität sehen manche eine Stärke. Christian Döring, der für den Editions-Verlag die Enzyklopädie von Diderot neu verlegt hat, sagt: „Es ist ein präzise gezeichnetes Bild der damaligen Zeitumstände. Wie wollen Sie das übers Netz vermitteln?“

Wer Fachwissen braucht, kommt auch heute am Gedruckten nicht vorbei, auch weil ein Großteil der Bibliotheken noch nicht digitalisiert wurde. Aber das ist nicht der einzige Grund: Ein volles Bücherregal ist ein Statussymbol. Vielleicht ist es nicht mehr der Brockhaus, sondern der Herrndorf-Schuber, der das Gelesene sichtbar machen soll. Doch das Prinzip bleibt: Der Besitzer will sein Wissen präsentieren und verewigen.

Dazu passt, dass das Fachlexikon den Brockhaus abgelöst hat. Die Form des Lexikons ist zum Trägermedium für alle möglichen Stoffe geworden. Im Handel erscheinen Fitnessprogramme als „Krafttraining-Enzyklopädie“ oder, für die richtigen Fans, „Star Wars – Die illustrierte Enzyklopädie“. Es geht ums Sammeln. Es geht ums Prestige.“

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