Literaturgeographie

Die heutige F.A.Z schreibt unter dem Titel „Schweizsucht“ über Barbara Piatti, den Vierwaldstättersee und die Literaturgeographie (via zkbw blog):

„Die Schweizerin ist Literaturgeographin, eine Disziplin, die ständig hin und her hüpft zwischen Literaturwissenschaft, Geographie und Kartographie und es dementsprechend schwer hat, ihren Platz zu finden. Dabei gab es vor etwa hundert Jahren schon einmal großes Interesse an der Erforschung literarischer Orte, doch anders als in Frankreich und Großbritannien ist es in Deutschland der Literaturgeographie bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht besonders gut ergangen. Das lag an den Schriften von Josef Nadler, der völkische und rassistische Bemerkungen in den dreißiger und vierziger Jahren in die literaturtheoretische Diskussion brachte, und generell am Nationalsozialismus, der den Raumbegriff für sich vereinnahmte.

Dann passierte etwas, das Glück und Unglück für die Literaturgeographie zugleich war: Der Literaturtourismus erlebte eine neue, bis dahin ungekannte Hochphase. Die Leser wollten sich die Orte anschauen, an denen Literatur spielt. Das freute die wenigen Literaturgeographen und noch viel mehr die Orte, für die sich ihre manchmal nur zufällige Prominenz auszahlte. So ist es im „Brontë Country“ in Nordengland oder in Stratford-upon-Avon und selbst in Uwe Tellkamps Dresden. So etwas Profanes aber musste wiederum der Germanistik suspekt sein. Die Literaturgeographie stand deswegen weiterhin am Rand. Dabei stellt sie doch eine ebenso simple wie kluge Frage: Wo spielt Literatur und warum?“

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