Nudeln an die Ohren hängen

Die TAZ berichtet unter dem Titel „Skandalzeugen auf Bestellung: Medienfälschungen in Russland“ über gekaufte Zeugen für russische Medienberichte:

„Journalistische Standards in der Berichterstattung russischer Staatsmedien sind ein Thema, mit dem sich das unabhängige Moskauer Internetportal The Insider beschäftigt. Am Mittwoch dieser Woche stellte das Portal die Ergebnisse seiner neuesten Recherchen ins Netz, die aufhorchen lassen.

Eine der Heldinnen ist die besagte Hannoveranerin. In Wirklichkeit heißt sie Natalja und verdient ihren Lebensunterhalt damit, die bestellten Geschichten an russische TV-Sender zu verkaufen. Ein Journalist von The Insider gibt sich in einem Telefonat mit Natalja als Produzent eines russischen TV-Senders aus, auf der Suche nach jemandem, der ihm für einen Beitrag „einen bestimmten“ Content liefert. (…)

Ein professioneller TV-Journalist, der jahrelang für das russische Fernsehen gearbeitet hat und anonym bleiben möchte, bestätigte gegenüber der taz, dass Beiträge auf Bestellung Usus seien. Dabei würde streng darauf geachtet, dass der Kreis der Eingeweihten möglichst eng bleibe. (…)

Dieser und ähnlicher Fakes in den russischsprachigen Medien nimmt sich der im vergangenen Herbst in Brüssel eigens dafür geschaffene Dienst East StratCom Task Force an. In den wöchentlichen Reports sind jeweils neue Enthüllungen detailliert dargestellt. Eine der dort oft angegeben Quellen heißt www.stopfake.org, und hat sich bereits einen Namen in Bezug auf den Ukrainekonflikt gemacht.

Eine andere bekannte Enthüllungswebsite heißt www.noodleremover.news, wo der Blogger Alexey Kowaljow mit Esprit und viel Humor der russischen Propaganda auf die Schliche kommt. „Nudeln an die Ohren hängen“ ist nämlich ein im Russischen beliebter Ausdruck für „Lügen auftischen“.

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