Stralsund verkauft historische Gymnasialbibliothek

Die Hansestadt Stralsund macht seit kurzem Schlagzeilen mit dem umstrittenen Verkauf von ca. 6000 Bänden einer historischen Gymnasialbibliothek an einen Antiquar. Die Stadt hat damit offenbar 95000 Euro eingenommen. Mehr dazu z.B. im NDR-Fernsehbeitrag vom 11.11.2012.

Widerstand formiert sich jetzt u.a. in Form der „Rettet die Stralsunder Archivbibliothek-Facebook-Gruppe“ (341 „gefällt mir“) und einer Petition (momentan 1703 Unterschriften). Mehr zur „Causa Stralsund“ auf Archivalia und Inetbib.

Interessant ist der Fall auch deshalb, weil damit öffentlich darüber diskutiert wird, weshalb historische Gymnasialbibliotheken und alte Drucke wichtige Quellen für die Geschichtsforschung sind. Bei Drucken vor 1850 gibt es z.B. streng genommen keine Dubletten (via Archivalia):

„Für die älteren Buchbestände müssen andere Kriterien als das Territorialprinzip herangezogen werden. Hier greifen buch- und sammlungsgeschichtliche Aspekte. In der Periode der Handdruckpresse, der Hadernpapiere und des individuell in Auftrag gegebenen Einbands (bis etwa 1850) unterscheiden sich Bücher prinzipiell voneinander. Je älter ein Buch ist, um so individueller ist es in seiner äußeren Gestalt (z. B. in Einband, Kolorierung), abgesehen von seiner oft noch erkennbaren Gebrauchsgeschichte (z. B. durch Marginalien eines Vorbesitzers, Provenienzvermerke). Es besitzt einen eigenen Exemplarwert. Daraus folgt: Bücher aus der Zeit vor 1850 sind in jedem noch vorhandenen Exemplar, unabhängig von ihrer Sprache, ihrem Druck- oder Aufbewahrungsort, zu erhalten.“

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