Gebrauchtwarenhandel mit Büchern

In der Süddeutschen Zeitung gibt es unter dem Titel „Gutes von gestern“ (bis jetzt nicht online) einen Artikel über das Unternehmen Momox, das gebrauchte Bücher im grossen Stil verkauft (via Blendle):

„Christian Wegner steht in Halle 21 auf dem alten Flughafen in Leipzig und schaut in seine Regalschluchten. An der Decke summen die Neonleuchten, am Boden fleckiger Beton, in den Regalen 8,5 Millionen Artikel, einmal die New Yorker Einwohnerzahl: Kalender, CDs, DVDs, Videospiele, aber vor allem Bücher. Sie warten darauf, dass Wegner ihnen eine zweite Chance gibt. Sie warten in der Bibliothek der nicht mehr geliebten Bücher. (…)

Momox. So heißt Wegners Unternehmen, das größte für gebrauchte Bücher in Deutschland, in Europa, sagt Wegner, manche sagen, der Welt. 150 000 gebrauchte Artikel schicken die Menschen täglich. Und 150 000 Artikel werden wieder fortgeschickt, bestellt auf Amazon, auf Ebay, AbeBooks oder direkt in Wegners Onlineshop mit dem Namen Medimops. Der Umsatz im vorigen Jahr: 120 Millionen Euro. (…)

Was Wegner dann unternahm, nennen die wenigen Experten für den Gebrauchtwarenhandel: genial.

Er konnte programmieren und begann mit der Entwicklung einer Webseite mit weißem Schlitz: Jeder Mensch konnte ab sofort die ISBN- oder Barcode-Nummer seiner Sachen dort eingeben, den Ankaufspreis akzeptieren, schon war er seine Sachen los. Das Porto übernimmt von zehn Euro Verkaufswert an Wegner. Erst mit der Ankaufidee fing Momox an. (…)

Inzwischen tummeln sich drei Dutzend weitere Gebrauchthändler für Bücher im Internet. Reseller, welche die Nonsense-Namen der Internetzeit tragen: Medialux24, Blidad, Rebuy, Sellorado, Zoxs. Momox selbst hat bereits digitale Dependancen außerhalb von Deutschland eröffnet: in England, Frankreich und Österreich. Eine digitale Logistik pumpt gebrauchte Bücher jetzt durch halb Europa, Dreh- und Angelpunkt der Algorithmus, der pausenlos ermittelt, was Momox für „Darm mit Charme“ von Giulia Enders noch zahlen kann (5,45 Euro), und wie man „Darm mit Charme“ gewinnbringend wieder verkauft: 10,08 Euro. „Sinkt das Interesse, stoppen wir den Ankauf“, sagt Wegner. Gerade hat er 2138 Mal die Bibel vorrätig, das Buch der Bücher, gebraucht.

Für die Masse der Bücher gilt: Aus einem lebenslangen Begleiter ist ein Verbrauchsprodukt geworden.“

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