Sich verlesen ist so gut wie lesen

Die Welt bringt unter dem Titel «UNgelesen» ein Gespräch mit «einem der größten lebenden Leser unserer Zeit», Alexander Kluge (via Gregor Strick auf der Arno-Schmidt-Mailingliste, bis jetzt nicht online, via Blendle):

«Ich habe aber auch vor, „Zettels Traum“ vollständig zu lesen. Immer wieder schlage ich Seiten auf, lebenslänglich begleitet mich dieses Buch, und doch habe ich es noch nie vollständig lesen können. Aber nicht aus Abneigung. Es gibt da keine apodiktischen Aussagen. Nichtlesen ist falsch, Nurlesen ist falsch. Wie sagt Kierkegaard? Heirate, heirate nicht – du wirst es bereuen! (…)

Ich lese auch viel Schrott, zum Beispiel Romane von Tom Clancy über den Präsidenten Ryan. Das bringt mir mehr Information über das Weiße Haus, als wenn ich Rilke lese. Fake kann anregend sein. (…)

Sich verlesen ist so gut wie lesen. Begeht mehr Irrtümer, sagt Heiner Müller, woraus wollt Ihr sonst lernen! Ein Leitsatz von Dada lautet: „Mit der Straßenkarte von Groß-London den Harz durchwandern“. Das ist lesen. Sie werden sich in irgendeiner Kuhle des Gebirges den Arm brechen und haben eine unmittelbare Erfahrung, die bleibt unvergesslich.»

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