Thomas Hettche zum Ende des Buches

Unter dem Titel „Das Ende des Buches und was wir dabei verlieren“ macht sich Thomas Hettche auf Cicero online Gedanken zur sich verändernden Buch- und Lesekultur (danke an Ömer für den Hinweis):

„Ein schleichender Prozess der Auszehrung ist im Gang, man spürt sein Fortschreiten überall, in den Buchhandlungen, den Universitäten, den Rundfunkanstalten, den Literaturhäusern und Schulen: überall die potemkinsche Empfindung, durch bloße Fassaden zu gehen. Zwar gibt es all diese Institutionen noch, aber es kommt mir so vor, als wären sie dabei, von innen heraus zu vergehen. Die literaturwissenschaftlichen Seminare, in die ich eingeladen werde, muten ihren Studenten keine Bücher mehr zu, sondern kopieren zehnseitige Ausschnitte, anhand derer nicht etwa Romane verstanden, sondern lediglich Frage- und Diskussionstechniken eingeübt werden sollen. Kunststücke. Immer mehr Traditionsbuchhandlungen, die seit Jahrzehnten Lesungen veranstalten, mutieren zu Papeterien. In den Rundfunksendern trifft man auf Redakteure, die das Buch, über das sie mit einem sprechen wollen, nicht mehr gelesen haben dürfen, damit sie die Hörer besser abholen können, wie man das nennt.“

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