Angst vor «Lesewut» in der Schulbibliothek

Historische Schulbibliotheken zählen zu wichtigen Quellen der Bildungs- und Kulturgeschichte und sind doch die heute am wenigsten erforschten bibliothekarischen Sammlungen. Der Tagungsband «Historische Schulbibliotheken. Eine Annäherung» schafft Abhilfe (via presseportal.de):

«Mit einem Tagungsband in der Reihe Hallesche Forschungen im Verlag der Franckeschen Stiftungen hat Dr. Brigitte Klosterberg, Leiterin des Studienzentrums August Hermann Francke – Archiv und Bibliothek, jetzt eine erste wissenschaftliche Annäherung an diesen Bibliothekstypus, dessen Nutzungs- und Bestandsgeschichte eine besondere Herausforderung darstellt, veröffentlicht.

Mit dem Thema nimmt Brigitte Klosterberg eine Herzensangelegenheit des Bibliothekars und Literaturwissenschaftlers Paul Raabe auf, für den es einer kleinen Sensation gleichkam, in den 1990er Jahren in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen zahlreiche Erstausgaben deutscher Dichtung aus der Zeit um 1800 vorzufinden. Sie gehörten einst zu der Oratorischen Bibliothek des Königlichen Pädagogiums, einer der frühen Beispiele einer Schulbibliothek, zu der Schüler explizit Zugang hatten. Sie durften ein Buch pro Woche nach Rücksprache mit dem zuständigen Lehrer entleihen. Diese Beschränkung auf ein Buch entsprach der grassierenden Angst vor der »Lesewut«, die es nach den pädagogischen Vorstellungen der Zeit zu zähmen galt (ein Diskurs, der sich bis heute – bezogen auf die neuen Medien – hartnäckig zu halten scheint). Paul Raabe ließ die Titel der Oratorischen Bibliothek in einer Datenbank verzeichnen und legte Brigitte Klosterberg die weitere Erforschung und Erschließung der Bibliothek ans Herz.»

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