Digital macht schlau

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Das Dezemberheft der Zeitschrift Geo berichtet unter dem Titel „Digital macht schlau!“ über das Lernen mit neuen Medien. Darin wird auch das Thema digitale Lehrmittel angesprochen:

„Die Schulbuchverlage haben, sollte eine digitale Revolution die Klassenzimmer erreichen, viel zu verlieren. André Spang erinnert sich an einen Empfang in der Villa eines Stuttgarter Schulbuchverlegers, „da trat der Seniorchef des Hauses ans Mikrofon und sagte: ‚Wir reden heute nicht über digitale Medien. Wir reden über Bildung!‘ Klar, ich sah die Villa und hatte verstanden.“

Immerhin, der Berliner Cornelsen Verlag hat Millionen in eine digitale Lernplattform investiert, „eine Riesen-Vorleistung, weil wir damit im Moment keinen Euro zusätzlich verdienen“, sagt Christine Hauck, Digital-Chefin des Hauses. „Unser Problem ist: Es gibt keinen Markt. Alle Beschaffungswege sind auf Print ausgelegt.“ Die technische Ausstattung deutscher Klassenzimmer hinkt denen in anderen Industrienationen hinterher; sie ist so schlecht, dass André Spang witzelt, das Internetkürzel „.de“ stehe für „digitales Entwicklungsland“: 75 Prozent aller Schulen verfügen über Röhrenfernseher, 62 Prozent über Kassettenrekorder, aber nur sieben Prozent über Tablet-Computer.

Dazu kommt: „Das Buch ist im Einsatz extrem sicher“, sagt Christine Hauck. Sprich – kein Lehrer läuft Gefahr, sich zu blamieren, weil er den Schalter nicht findet. Denn es mangelt nicht nur an Ausstattung, auch an Personal. Die Medienkompetenz vieler deutscher Lehrer fasst der Hamburger Lehrerausbilder Rudolf Kammerl in einem vernichtenden Satz zusammen: „Wer gern ins Internet geht, wird nicht unbedingt Lehrer.“ Viele seiner Studenten müssen an der Universität erst lernen, dass ein Computer nicht nur für den privaten Gebrauch taugt. Nur jeder dritte Lehramtsstudent in Hamburg belegt überhaupt Seminare in Medienpädagogik. Der Rest vertraut lieber auf Buch, Kopierer und Overheadprojektor. Der ist schließlich in 96 Prozent aller Schulen vorhanden. Auch darum ist das System Schule so zählebig: Um es zu verändern, braucht es Lehrer, die es verändern wollen.“

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