Phantombibliotheksschmerz

Lee Randall schreibt im Geo-Artikel «Warum wir unseren Krempel lieben sollten«, vom Sinn, Dinge zu besitzen:

«Als ich an meinen jetzigen Wohnort in Schottland zog, nahm ich zwar jede Menge Zeug mit, Kleider, Möbel, Kunst, Schnickschnack. Meine Bücher aber lagerte ich bei Verwandten ein. Es fühlte sich an wie eine Amputation, ich litt unter einer Art „Phantombibliotheksschmerz“: Ich griff nach einem Buch, um ein Zitat nachzuschlagen, eine Aussage zu überprüfen, um Trost zu finden – und griff ins Nichts. Nach einem qualvollen Jahr des Sehnens ließ ich meine Bibliothek nachkommen. Erst als sie mich wieder umgab, fühlte ich mich als vollständiger Mensch, war ich angekommen. (…)

Mit der Hoffnung, dass Menschen, die mein Zuhause besuchen, mich in einem besonderen Licht sehen, meine Person tiefer würdigen, als dies an einem neutralen Ort möglich wäre. Mein Exmann schwor, dass er sich in mich verliebt habe, als er meine Bibliothek sah und das Lexikon, das ständig neben meinen Bett liegt. (…)

Aber ohne Objekte, die mich erden, die mir Freude machen, würde ich womöglich haltlos davontreiben im Strom des Bewusstseins.»

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