Weshalb es sich lohnt, als WissenschaftlerIn zu bloggen

Lilian Landes schreibt im Redaktionsblog unter dem Titel „Diversifizierung der Publikationsformen: Über die Rolle von Wissenschaftsblogs“ über den Wert des wissenschaftlichen Bloggens (via Mareike König auf Twitter):

„„Und dafür haben Sie Zeit?“ Wer wissenschaftlich bloggt oder bloggen möchte und mit Doktorvater oder Kollegin darüber spricht, kennt diese Rückfrage. Natürlich kostet es Zeit, ein Wissenschaftsblog zu füllen und zu pflegen. Es kostet Zeit, wie es Zeit kostet, auf andere Weise jenes Networking zu betreiben, auf das keine Wissenschaftskarriere verzichten kann: am Rande von Konferenzen, auf Bibliotheksfluren oder per E-Mail. Ein immenser Vorteil des Bloggens ist der, dass der Adressatenkreis potentiell deutlich größer ist, dass also die Zeit, die für die Formulierung von Ideen, Fragen oder Theorien aufgewendet wird, sich am Ende als effektiver investiert erweisen kann. Zumal das Geschriebene und Gedachte archiviert ist und Autor wie Leser jederzeit, auch nach Jahren, darauf rekurrieren können. (…)

Ja, bis heute wird die Warnung kolportiert, man erleichtere durch frühzeitiges Bloggen den Diebstahl seiner Ideen. Erstaunlicherweise ist das Gegenteil der Fall, denn Ideen sind im Schoß eines Blogs auf Tag und Stunde genau öffentlich dokumentiert und zitierbar. Weit gefährdeter ist in dieser Hinsicht der Referent einer klassischen Konferenz. Ein Blog dagegen ist beinahe etwas wie ein Sicherungskasten für wissenschaftliche Theorien und ermöglicht das Abstecken seines Forschungsterrains. (…)

Schon die gewonnene Motivation ist ein schwerwiegendes Argument, und dabei ist noch nichts gesagt über die Hilfe, die das Verfassen von Blogposts im Strukturierungs- und Priorisierungsprozess der Recherchephase einer Qualifikationsarbeit bedeuten kann, noch nicht beschrieben, wie sehr das Bloggen beim Weg in den Schreibprozess hilft, beim Loslassen von Gedanken und Thesen im Moment der Publikation. Und es ist noch nichts gesagt über das Potential von Kommentaren und Diskursen vor und hinter den Kulissen des Blogs, die einen Arbeitsprozess, wenn nicht nähren, so aber zumindest düngen können. Nicht selten sorgt erst das netzöffentliche Schreiben dafür, von der Existenz des kommentierenden Experten zu erfahren. (…)

Um auf den entscheidenden Faktor Zeit zurückzukommen: Gerade die Nutzung von Mikrobloggingdiensten wie Twitter bedeutet im Alltag oftmals keinen zusätzlichen Zeitaufwand, sondern eine immense Zeitersparnis. Das Teilen von Links zu Neuerscheinungen, Ausschreibungen, Konferenzankündigungen oder auch in Tweets verpackbaren Zusammenfassungen von Thesen, Vortragsfolien und vielem anderen erspart dem Einzelnen, die Unüberschaubarkeit aktueller Entwicklungen auf sein Forschungsgebiet hin vollständig selbst zu filtern: Richtig eingesetzt macht sich jeder Teil der vernetzten „Community“ die Filterleistung aller anderen Beteiligten zunutze. Je größer die Bereitschaft einer Disziplin ist, diese Kommunikationskanäle zu nutzen, desto ergiebiger und effizienter werden sie.

Auf die herausfordernde Frage „… und dafür haben Sie Zeit?“ darf man also hin und wieder mit Fug und Recht sogar die Antwort wagen: „Ganz im Gegenteil: Ich habe keine Zeit, es nicht zu tun.“

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