Nerd-Oligarchie bei Wikipedia

Im Tages-Anzeiger vom 30.10.2015 wird unter dem Titel «Der Schwarm bei Wikipedia schrumpft» u.a. der Mangel an (weiblichen) Autoren beklagt (danke an Regula Berger für den Hinweis):

«Seit 2008 sinkt die Anzahl der Menschen, die regelmässig Artikel verfassen. Einst waren es weltweit 51’000, heute sind es 31’000.

Der Rückgang bringt das Lexikon in Schwierigkeiten: Es gibt mehr Artikel, die aktualisiert und vor Manipulation geschützt werden müssen. Doch dafür stehen weniger Leute bereit. Der Arbeitsaufwand steigt, das Personal schrumpft. Wikipedia kann nicht einfach mehr Menschen einstellen. Das Lexikon lebt von freiwilligen Mitarbeitern.

Die Entwicklung zeigt sich auch in der Schweiz: «Wir haben Mühe, neue Autoren zu finden», sagt der Schweizer Wikipedia-Sprecher Patrick Kenel. Die Zahl der Wikipedianer, die konstant mitarbeiteten, habe sich ungefähr bei 100 eingependelt.

Ein weiteres Problem liegt in der Einheitlichkeit dieser Autoren. Die meisten sind männlich, weiss, mittelalt, haben studiert, oft bringen sie einen IT-Hintergrund mit. Es fehlen Junge und Frauen. Das Profil der Schreiber prägt den Inhalt. Von den 450’000 Biografien auf der deutschen Wikipedia handeln nur zwölf Prozent von Frauen.

(…)

«Heute hält eine kleine Gruppe von Aktivisten die Macht in den Händen», schreibt Stegbauer. Diese «Elite» wirke teils abgebrüht, sie betreibe das Löschen neuer Artikel als reine Routine, auch wenn sich Anfänger stark bemüht hätten. Die Eingesessenen verspürten wenig Lust, sich mit Neuen auf die ewig gleichen Diskussionen einzulassen. Es ist, wie wenn Erwachsene Kindern stets das Gleiche er­klären. Irgendwann ist die Geduld aufgebraucht.»

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